Arbeitgeberverband der gewerblichen Qualitäts-Studios in Deutschland

Am 2. Dezember 2013 wurde der Bundesv­erband Gesundheitsstudios Deutschland e.V. in Bonn gegründet. Es ist an der Zeit, dass sich ein neuer Verband uneigennützig den Themen der Zukunft und den aktuellen Problemen der deutschen gewerblichen Fitness- & Gesundheitsstudios annimmt.

Viele Studiobetreiber fühlen sich nicht mehr ausreichend vertreten und suchen nach einer Alternative.

Weshalb ein neuer Arbeitgeberverband für die Fitnessbranche?

Immer mehr Sportvereine machen unter dem Mantel der Gemeinnützigkeit mit vereinseigenen Fitnessstudios den ge­werblichen Fitness-Studios Konkurrenz – in einer wett­bewerbsverzerrenden Art und Weise, subventioniert durch öffentliche Mittel, Sponsorings, Zuschüsse, Geschenke der Kommunen, Länder, Landessportverbände, Unternehmen, etc.

Nicht nur, dass die Vereine für den Bau und die Einrichtung solcher vereinseigener Fitnessstudios in obiger Form primär durch öffentliche Mittel gefördert werden, nein, auch bei der Betreibung dieser vereinseigenen Studios nehmen sie Wettbewerbsvorteile in Anspruch. Wett­bewerbsvorteile sind z. B. die Befreiung von der Mehrwertsteuerpflicht, Auszahlung von Übungsleiterpauschalen ohne Steuern oder Sozialabgabenpflicht etc.

Sind Staat, Gemeinden und IHKs auf dem Vereinsauge blind?

Würde ein normaler Studiobetreiber solche Zuwendungen erhalten, müsste er zumindest eine erhebliche Schenkungssteuer bezahlen. Aus den 4,5 Milliarden Euro, die von den Fitnessstudios momentan pro Jahr eingenommenen werden, fließen allein knapp 900 Millionen Mehrwertsteuer an den Fiskus. Weitere Einnahmen erzielt der Staat durch Kapitalertrags-, Gewerbe-, Kapital-, Einkommensteuer usw., so dass sich der Finanzminister jährlich auf über 1,5 Milliarden Euro Steuern allein von den Fitnessstudios freuen kann. Wenn erst einmal die Vereine die Fitnessbranche übernommen haben, ist das vorbei.

Wieso steht da nicht längst der Finanzminister auf der Matte und bittet die Vereine ebenso wie die Fitnessstudios um entsprechende Abgaben?

Stattdessen wandert Geld aus seinem Säckel in die vereinseigenen Fitnessstudios mit der Folge, dass seine Einnahmequelle „Fitnessstudio“ versiegt. Ähnlich sieht es bei den IHK’s aus. Sie erhalten noch Beiträge aus nahezu allen Fitnessstudios in Deutschland. Auch hier gilt: Haben erst mal die Vereine die Fitnessbranche übernommen, versiegt diese Quelle.

Vereine auf dem Vormarsch

Ohne irgendwelche Zuschüsse, Steuervorteile und Geschenke der öffentlichen Hand haben die gewerblichen Fitnessstudios eine Branche aufgebaut und müssen jetzt um ihre Existenz fürchten. Es klingt paradox, dass der Staat, der riesige Steuervolumina aus der Fitnessbranche zieht, jetzt Steuergelder ausgibt, um die Fitnessbranche den steuerbefreiten, gemeinnützigen Vereinen in die Hände zu spielen.

Es mag etwas makaber klingen, aber wir sind da nicht alleine:

Vereine machen gewerblichen Anbietern auf allen möglichen Feldern Konkurrenz u. a. bei Kletterhallen, Reitsport, Kunst, Segel- und Motorsportflugzeugen Reparatur u. Verkauf, Fahrrädern, Autos, Motorrädern, Hobbytechnik, Restaurierung, Kölner PC-Freunde mit kostenlosem Notdienst, Werkstatt Café, Kult 12-Verein – Restauration alter Instrumente, Kampfkunst, Pilotenausbildung, Modellbau Parkbahn-Verein (Neckarauen), Oldtimer-Ausstellung, Sprachschule, Solarmobilbau- und -reparatur, etc …

Brennpunkt Württemberg

Erst nachdem wir mehrfach auf diese existenzbedrohende Entwicklung für die Fitnessstudios in Württemberg hingewiesen haben, die FID in Württemberg gegen den dortigen Landessportbund auf Aufhebung der Gemeinnützigkeit geklagt hatte, ist offensichtlich endlich auch beim Deutschen Sportstudio Verband e.V. (DSSV e.V.) die Kunde von dieser großen Gefahr für die Fitnessstudios wahr­genommen worden. Beim DSSV bequemte man sich dazu, sich des Themas in der Form anzunehmen, dass man verkündete, den Aktivitäten der FID (Fitness Initiative Deutschland, getragen von Paul Underberg und der Anwaltskanzlei Geisler, Franke und Kollegen) beitreten zu wollen. Schon nach der ersten gemeinsamen Sitzung mit geschädigten Studiobetreibern in Stuttgart gab es die ersten „Missverständnisse“. Der DSSV verkündete anschließend, dass man einen Musterprozess führen werde, wobei sich die FID und der DSSV die Kosten teilen würden.

Von einer solchen Kostenteilung war der FID jedoch nichts bekannt.

Was macht der DSSV mit den Einnahmen?

Nun nimmt der DSSV mit seinen Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen und den Industriefördermitgliedschaften jährlich weit über 1 Million Euro ein.

Der Ausbildungspartner des DSSV, die DHfPG (Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheit), der Umsätze im zweistelligen Millionenbereich macht und die Fitness­trainerausbildung vom DSSV e.V. übernommen hat, wird sicher im Gegenzug auch seit Jahren einen ansehnlichen Teil seiner Gewinne an den DSSV überweisen.

Auch die Türkeireisen und die Zusammenarbeit mit anderen Ausbildungsinstituten (z. B. HCC) werden weitere Einnahmen für den Verband erbringen.

Das bedeutet, dass der DSSV wahrscheinlich über erhebliche Rücklagen verfügt, um einen solchen Rechtsstreit zu führen, allerdings offensichtlich Probleme hat, endlich die Initiative zu ergreifen.

Beim 2. Meeting der beiden Parteien DSSV/FID in Stuttgart knirschte es bereits im Gebälk. Zumindest aber wurde dann für das kommende Jahr ein Termin angesetzt, bei welchem man die betroffenen Studios sichten wolle, um sich dann auf ein Studio als Präzedenzfall für eine Klage zu einigen.

Fauxpas beim Sportkongress

Dann kam der Auftritt des engsten Partners des DSSV, nämlich der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheit, auf dem 9. Stuttgarter Sportkongress (18. – 20.10.2013).

Hier traten u.a. Referenten und Hochschullehrer der DHfPG auf, um den Vereinen in verschiedensten Seminaren beizubringen, wie man am besten ein Vereinsstudio eröffnet, führt und erfolgreich macht. Obwohl die DHfPG auch einer der fünf Sponsoren dieser Veranstaltung mit rund 1.000 Vereinsmitgliedern war, beeilte sich der DHfPG-Chef Johannes Marx unmittelbar nach der Aufdeckung dieses Sachverhalts durch die F&G, ein Ende der Unfairness auf Seiten der Vereine beim Wettbewerb mit den gewerblichen Studios lautstark zu fordern.

Ähnlich „schizophren“ verhielt sich der DSSV e.V., der nach eigener Aussage alle ca. 7.000 Fitnessstudios in Deutschland vertritt. Der DSSV e.V. sprach seinem Partner DHfPG das Vertrauen aus und stellte sich demonstrativ neben diesen Partner.

Eklat beim Inline Kongress

Am 9. November 2013 zeigte sich dann während des Polit-Talks auf dem Inline-Kongress in Kassel der offensichtliche Bruch zwischen den beiden Parteien DSSV und FID.

Dort auf dem Inline Kongress in Kassel saßen während des Polit-Talks Eberhard Gienger, Mitglied des Deutschen Bundestages, der Lobbyist Jürgen Merschmeier, FID-Gründer Paul Underberg, der hart von den DOSB-/DTB-Aktivitäten betroffene Thomas Röhrle aus Fellbach und der ebenfalls aufgrund dieser Aktivitäten stark in Not geratene Volker Harsch aus Winnenden auf dem Podium und diskutierten diese Folgen der Wettbewerbsverzerrungen durch die Vereinsfitness-Zentren.

Gegen Ende der Veranstaltung fragte dann ein Zuhörer aus dem Plenum, was denn zu alledem der DSSV sage und weshalb der denn nicht auch im Podium sitze.

Die DSSV-Vorsitzende Schwarze und der DSSV-Geschäfts­führer Refit Kamberovic, die bereits mehrfach während der Veranstaltung den Saal verlassen hatten, standen auf. Refit Kamberovic rief in den Saal, dass man ihn nicht eingeladen habe und beide verließen nun endgültig den Saal.

Richtig ist aber, dass nach der Podiumsdiskussion jeder aus dem Saal problemlos seine Sicht der Dinge über ein weitergereichtes Mikrophon darstellen konnte. Ich selbst hatte ausreichend Gelegenheit, mich in einem Redebeitrag nach der Podiumsdiskussion für einen Vorstoß bei der Wettbewerbskommission der EU stark zu machen.

Wirkliche Interessvertretung erforderlich

Doch zurück zum Abgang oder dem Verlassen des Saales von Frau Schwarze und Herrn Kamberovic. Nachdem die anwesenden Studiobetreiber nun feststellen mussten, dass die Kooperation zwischen der FID und dem DSSV e.V. offensichtlich beendet war, wurde in allen Fluren des Kongresses diskutiert, wie es denn nun weitergehen könne.

Das Vertrauen der Studiobetreiber ist durch ein solches Verhalten erschüttert und bald hörte man von allen Seiten, dass ein neuer Verband erforderlich sei, der sich für die Interessen der gewerblichen Studios einsetzt. Offensichtlich ist dem DSSV, der sich immer einen Partner sucht, der für ihn die Kastanien aus dem Feuer holt, nicht bewusst, dass sein neuer Partner in Sachen Wettbewerbsverzerrung bereits eine erste Stellungnahme der EU-Kommission vorliegen hat, die wenig erfolgsversprechend zu sein scheint.

Aber, steter Tropfen höhlt den Stein. Und jedes Mal, wenn sich jetzt eine geschädigte Berufsgruppe in Brüssel über die Auswirkungen des Vereinsrechts beschwert, wird man dort auf dieses Thema wieder aufmerksam gemacht.

Daraufhin haben wir einige Gespräche mit den Trägern der FID geführt und festgestellt, dass sich unsere Vorstellungen über das weitere Procedere nahezu decken. Die Voraussetzungen für eine positive, dauerhafte Zusammenarbeit sollen in den nächsten Tagen besprochen werden.

Volker Ebener