Datenschutz aus Sicht des Verbraucherschutzes

 

Verbraucherzentralen vertreten beim Thema Datenschutz die Interessen der Endverbraucher. Durch einen Beitrag der ARD-Sendung „plusminus“ vom 05.07.2017 mit dem Titel „Vorsicht Datenkraken“ wurden wir auf eine Marktwächter-Untersuchung von Wearables und Fitness-Apps aufmerksam. Die Verbraucherschützer kritisieren vor allem den intransparenten Umgang mit Kundendaten durch die Anbieter und dass Nutzer schlecht kontrollieren können, was tatsächlich mit Ihren Daten geschieht. Wir haben bei Dr. Ricarda Moll von der Verbraucherzentrale NRW (Marktwächter-Team ‚Digitale Welt‘) nachgefragt, inwieweit diese Mängel im Datenschutz auch auf die professionelle Fitnessbranche zutreffen können.

F&G: Für uns und unsere Leser stellt sich zunächst die Frage, ob für professionelle Fitnessgeräte (sowohl Kraft- also auch Cardio-Geräte), die in ihren neuesten Generationen häufig mit offenen Schnittstellen ausgerüstet sind, die gleichen Rahmenbedingungen gelten, wie für Wearables und Apps? Diese Schnittstellen werden auch von Studiomitgliedern genutzt, damit auch ihre Laufleistung auf dem Laufband in der App erfasst wird.

Dr. Ricarda Moll: Aus Datenschutz-Perspektive geht es beim Thema Wearables und Fitness-Apps um die Frage, ob die am Körper gemessenen Daten zur Weiterverarbeitung an externe Server gesendet werden – über die der Nutzer dann im Weiteren kaum noch Kontrolle hat. Sofern dies bei professionellen Fitness-Geräten in gleicher Weise vorgesehen ist, ist Datenschutz grundsätzlich auch hier ein Thema.

F&G: Welche Maßnahmen fordern die Verbraucherschützer bei diesen und vergleichbaren Daten für einen ausreichenden Datenschutz?
Welche Maßnahmen erwarten Sie als Verbraucherschützer von den zuständigen Behörden?

Dr. Ricarda Moll: Die im Rahmen der Marktwächter-Untersuchung getesteten Wearables und Fitness-Apps übertragen größtenteils auch Gesundheitsdaten an Anbieterserver. Das sind besonders sensible Daten, die – vor allem über einen längeren Zeitraum hinweg und in Kombination mit weiteren Daten – Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand einer Person ermöglichen. Anbieter müssen hier beispielsweise ihre Nutzer darüber aufklären, dass sie derlei Daten erheben. In unserer Marktwächter-Untersuchung haben wir Verstöße seitens der Anbieter gegen derlei geltende Datenschutzbestimmungen festgestellt. Aus diesem Grund haben wir auch neun Anbieter abgemahnt. Es geht entsprechend zunächst einmal darum, dass bereits bestehende Regelungen eingehalten werden.

F&G: Welche Chancen und Risiken bedeuten Wearables und Fitness-Apps für den Datenaustauch mit den Krankenkassen? U.U. kann so ein Datenaustausch auch sinnvoll sein, z.B. wenn ein Studiomitglied seinen zertifizierten Präventions-Sport im Studio bei seiner Kasse abrechnen möchte.

Dr. Ricarda Moll: In dem erwähnten Beispiel kann man sicherlich eine Fitness-App einsetzen. Allerdings gehen die Funktionen der App und das Ausmaß der Datenübertragung bei vielen kommerziellen Apps weit über diesen Zweck hinaus. Entsprechend stellt sich die Frage, ob man dafür nicht einen datensparsameren Weg findet.

Grundsätzlich kann der Einsatz von Wearables und Fitness-Apps sinnvoll sein – sofern die Geräte und Anwendungen qualitätsgesichert sind und entsprechend auch einen nachgewiesenen Nutzen für die Gesundheit bedeuten. Die Studienlage hierzu ist unseres Wissens heterogen. Langfristige Risiken durch die Übermittlung von Selbstvermessungs­daten an Krankenkassen betreffen vor allem das Solidarprinzip, nach dem gesetzliche Krankenkassen organisiert sind. Wenn sich auf Basis der übertragenen Daten ein individuelles Versicherungsrisiko berechnen lässt, könnte dies eine Benachteiligung von weniger gesunden Menschen im Versicherungssystem bedeuten.

 

Weitere Artikel zum Schwerpunkthema Datenschutz

In der F&G-Ausgabe 5/2017 haben wir das Thema Datenschutz aus drei verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Neben der Sicht der Verbraucherschützer, erörtern wir die allgemeine Gesetzeslage und erklären, welche Studiobereiche datenschutzrechtlich besonders sensibel sind.

In seinem Artikel "Datenschutz - ein unterschätztes Damoklesschwert " gibt Dr. Christoph Franke einen Überblick über die aktuelle Gesetzenslage: Wer trägt wo die Verantwortung, welche Rechte und Pflichten haben Verbraucher und Mitarbeiter, welche Rechte und Pflichten haben Unternehmen und Arbeitgeber? Zum Artikel von Dr. Franke geht es hier.

In seinem Artikel "Sind Sie sicher? Datenschutz in der Studiopraxis" wirft der zertifizierte QM-Auditor und langjährige Betreiber mehrerer Studio, Botond Mezey, für F&G einen Blick auf die Studiobereiche, die datenschutzrechtlich im Fokus stehen sollten. Bitte klicken Sie hier für den Artikel "Datenschutz in der Studiopraxis".

 

Bild: © vege - Fotolia

 


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