Der Körper wird es danken

Serie Life-Balance (3): Besser leben im Takt der inneren Uhr

Kennen Sie ihren eigenen Bio-Rhythmus? Und leben Sie auch danach? Das ist die Voraussetzung für Erfolg, Glück, Gesundheit und ein langes Leben. Wenn Sie also Zeit in Ihren Körper investieren, dann vermehren Sie Ihr Lebenszeitkapital.

Der Körper ist endlich. Wir alle  haben unser Mindesthaltbarkeitsdatum – codiert in den Genen als maximale Lebensspanne. Während die Schildkröte 180 Jahre Zeit auf dieser Erde hat, steht unsere Lebensuhr auf 120 – im besten Fall. Wer gut mit dem Körper umgeht, kann mit ein wenig Glück das Verfallsdatum auf diese biologische Zeitspanne ausdehnen. Wenn wir uns den künstlich beschleunigten Rhythmen entziehen und uns auf unseren eigenen Takt besinnen. Wenn wir den Wecker aus dem Schlafzimmer verbannen, den Chef vom Sinn der Gleitzeit überzeugen, der Hektik Pausen entgegensetzen – und auf unsere innere Uhr hören.

Naturzeit vs. Wecker

Es gab eine Zeit, in der keine Sekunden existierten. Keine Minuten, keine Stunden, keine Uhr. In dieser Zeit fand der Mensch die Zeit einzig in der Natur. Im Auf- und Untergehen der Sonne, im Blühen und Verblühen der Pflanzen. Im Wechsel der Gestirne, in den natürlichen Zyklen. Millionen Jahre verlief das Leben rhythmisch mit der Natur. Die Natur hat immer noch ihre Zeit und jeder Mensch eine innere Uhr, nur stülpt man ihr eine Hand­fessel über.

Der Hahn kräht, die Sonne blinzelt durchs Fenster und lädt ein, mit ihr den Tag zu verbringen. Und wenige Stunden nachdem die Sonne sich verabschiedet hat, schlüpft man müde in die Federn. So mag es unsere innere Uhr, im Fachjargon Suprachiasmatischer Nucleus (SCN) genannt. Das sind zwei stecknadelkopfgroße Nervenbündel im Gehirn. Unserer inneren Uhr gefällt es, täglich vom Licht auf­gezogen zu werden. Und für einen regel­mäßigen Tagesablauf bedankt sie sich, indem sie Körper und Seele im Takt hält. Wie sie das macht? Indem unser SCN die inneren Rhythmen steuert: Körpertemperatur, Blutdruck, Sehschärfe, Hormon- und Spermienproduktion, Gehirnwellen. Alle Funktionen unseres Körpers haben dadurch ihren Zeitpunkt.

Die innere Uhr reguliert, ob wir schlafen oder wachen, aktiv sind oder träge, der Geist kreativ oder die Muskeln fit. Ja, sie sagt, ob wir besonders schmerzempfindlich sind – oder ob eine halbe Aspirin-Tablette reicht. Die innere Uhr diktiert unsere Bedürfnisse in Bezug auf die Stunden, den Tag, das Jahr, das Leben. Sogar der Tod hat seine Lieblingszeit.

Zellen mit eigenem Rhythmus

»Wir schätzen, dass jede unserer 70 Billionen Zellen einen eigenen Rhythmus hat«, so Prof. Dr. Jürgen Zulley, Regensburg. Und diesen Rhythmen, codiert in den Genen, sind die Chronobiologen (chronos = altgriechisch für Zeit) weltweit auf der Spur. »Jedes Ding hat seine Zeit«, stand schon in der Bibel; wissenschaftlich beschäftigt man sich mit den Zeitplänen des Körpers erst seit etwa 100 Jahren. Die Ergebnisse sind vielversprechend:

Wer im Einklang mit seinen inneren Rhythmen lebt, erntet Wohlbefinden, Lebensfreude und Erfolg.

Störfaktoren

Das winzige Nervenbündel namens SCN wird in unserer Non-Stop-Gesellschaft gebeutelt. Von wegen krähender Hahn, von wegen Sonne, von wegen Regelmäßigkeit. Wir leben und arbeiten in Betonhöhlen, künstliches Licht macht die Nacht zum Tag, der Wecker klingelt gegen die Natur des Menschen an. Das Wochenende bringt unseren zeitlich straff organisierten Alltag aus dem Takt. Montagmorgens präsentiert uns der Körper die Quittung dafür: Müdigkeit, schlechte Konzentration, null Bock.

Prof. Dr. Lothar Seiwert

Titelbild: Fotolia

 

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